Helmut Thoma kritisiert die RTL-Konkurrenten

Helmut Thoma – ab 1984 erster Programmdirektor bei RTL sowie Erfinder der werberelevanten Zielgruppe – gibt den Konkurrenzsendern die Schuld an der gegenwärtigen RTL-Dominanz. Marktführer sei RTL nur deshalb, weil “die anderen Sender keine Gegenwehr leisten”, sagte Thoma im Gespräch mit dem “Münchner Merkur”.

“In den Neunzigern gab es noch Konkurrenz durch Sat.1, aber die sind eigentlich seit zehn Jahren nicht mehr richtig vorhanden”, so Thoma. “Seit Leo Kirch in Schwierigkeiten kam, hat dieser Sender kein wesentlich neues Programm mehr gebracht. ‘Wer wird Millionär?’ oder das ‘Dschungelcamp’ hätten doch die anderen auch kaufen können, wenn es ihnen nicht zu teuer gewesen wäre.” Tatsächlich versuche die Konkurrenz lediglich, mit RTL-Plagiaten zu punkten.

Thoma wirft Sat.1 & Co. zudem schwere Fehler in der Programmplanung vor. Er habe “den Eindruck, dass bei den anderen Sendern Leute das Sagen haben, die vom TV-Geschäft keine Ahnung haben”. Zur Zeit habe es RTL nicht einmal nötig, eigene Formate zu entwickeln, und altgediente Serien wie “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” oder “Alarm für Cobra 11″ kämen nur deshalb auf eine so lange Laufzeit, “weil die anderen nichts dagegen setzen”.

Die RTL-Dominanz betrachtet Thoma durchaus als eine Gefahr für die Fernsehlandschaft, der allerdings auch ARD und ZDF nichts mehr entgegen zu setzen hätten: “Bei den Zuschauern unter 50 Jahren finden die öffentlich-rechtlichen Sender praktisch nicht mehr statt.”

Quelle: Münchner Merkur 05.02.2011