Archiv für das Tag 'netzneutralität'

Jul 08 2013

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Deutschland: Klagen wegen Internet-Drosselung

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) will der Deutschen Telekom gerichtlich verbieten lassen, weitere starke Tempobremsen für Internet-Extremnutzer einzuführen.

Sie fordert von dem Konzern eine Unterlassungserklärung, wie ein Sprecher der VZ NRW dem Nachrichtenmagazin Focus sagte. Die Telekom soll sich darin verpflichten, drastische Geschwindigkeitskappungen nicht mehr vorzunehmen. Der Konzern unterzeichnete eine solche Erklärung laut Focus aber bislang nicht.

Tempobremse
In Österreich hat Marktführer Telekom Austria bereits Ende April eine Daten-Tempobremse ausgeschlossen. Derartige Pläne gäbe es nicht im geringsten, hieß es damals. Die Deutsche Telekom will hingegen bei Internet-Vielnutzern künftig nach Erreichen einer bestimmten Obergrenze die Übertragungsgeschwindigkeit drosseln. Eigene Angebote und jene von zahlenden Vertragspartnern sollen von der Drosselung aber ausgenommen werden. Diese Ankündigung hatte einen Proteststurm von Verbrauchern und in Teilen der Wirtschaft ausgelöst.

Grundsatzurteil gefordert
Der Sprecher der Verbraucherzentrale NRW sagte dem „Focus”, es bestehe „Wiederholungsgefahr”. Die Verbraucherschützer wollten daher „ein Grundsatzurteil, das dem Verbraucher Sicherheit verschafft”.

Quelle: futurezone

via Bundesregierung warnt vor Datenbremse bei Dt. Telekom.

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Apr 30 2013

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Telekom-Chef weist Kritik an Drosselung zurück

Der Chef der deutschen Telekom, Rene Obermann, nimmt zu der geplanten Abschaffung der Flatrates Stellung. Er verteidigt die Datenbremse und argumentiert, dass Kunden nichts von der neuen Strategie merken werden.

Telekom -Chef Rene Obermann wehrt sich gegen Kritik an der geplanten Daten-Drosselung im Internet. In einem Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) verteidigte er die Pläne, berichtet der „Spiegel”. „Begriffe wie Netzneutralität und Sicherstellung von Wettbewerb” würden in der Debatte „dahingehend missbraucht, einen Flatrate-Anspruch auf unbegrenztes Datenvolumen im Internet zu zementieren”, zitiert das Magazin aus Obermanns Brief. Von der vorgesehenen Preisänderung seien nur drei Prozent der Kunden betroffen. „Diese Kunden nutzen in unserem Netz zehn- bis 20-mal größere Datenmengen als ein durchschnittlicher Kunde, der 15 bis 20 Gigabyte pro Monat verbraucht.”

Nur ein geringer Prozentsatz betroffen
Telekom-Marketingchef Michael Hagspihl sprang Obermann im „Focus” bei. „Wenn wir die Volumenbegrenzung einführen, werden die meisten Kunden davon nichts bemerken.” Investitionen in den Breitbandausbau seien wichtiger als immer niedrigere Preise. Obermann erklärte, es stimme nicht, dass die Telekom das eigene Fernsehangebot „Entertain” bevorzuge und Rivalen diskriminiere.

Telekom-eigene Internetdienste wie Videoload oder die Telekom-Cloud würden auf die Datenmenge angerechnet. „Entertain” sei jedoch kein „typischer Internetdienst, sondern eine von den deutschen Landesmedienanstalten durchregulierte separate Fernseh- und Medienplattform, für die unsere Kunden ein entsprechendes Zusatzentgelt bezahlen”, zitiert der „Spiegel” ihn weiter.

Politik übt weiterhin Kritik
Rösler hatte die Telekom wegen ihrer Pläne kritisiert. Das Vorhaben könnte die Gleichbehandlung von Anbietern im Internet gefährden. Ihre Position als Großaktionär der Telekom will die Regierung nach seinen Worten allerdings nicht offensiv nutzen, um auf Änderungen hinzuwirken. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) schloss sich der Kritik Röslers an und forderte im „Focus”: „Das Prinzip Netzneutralität darf nicht in Frage gestellt werden. Es darf keine Datenpakete erster und zweiter Klasse geben.” SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gesteht der Telekom in dem Magazin zwar „Pioniergewinne” für den Netzausbau zu, nicht akzeptabel seien aber „Zugangsbeschränkungen nur für die Wettbewerber der Telekom”.

Konkurrenz plant nichts Vergleichbares
Die Konkurrenz grenzt sich von der Telekom ab und will ihr Modell großteils nicht übernehmen. Der in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg aktive Kabelnetzbetreiber Unitymedia plant nach Aussagen einer Sprecherin keine Begrenzung der Internet-Nutzung. Ebenso hält es Vodafone. Ein Sprecher von O2 hatte gesagt, der Schritt der Telekom sei aus Branchensicht angesichts der rapide steigenden Datenmengen nachvollziehbar. „Sollten wir so etwas einführen, würden wir das rechtzeitig ankündigen.” Der DSL-Anbieter bremse seine Kunden derzeit aber nicht aus.

Quelle: futurezone

via Bundesregierung warnt vor Datenbremse bei Dt. Telekom.

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Apr 27 2013

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Telekom-Tochter Congstar: “Wir drosseln unsere DSL-Angebote nicht”

Abgelegt unter Allgemein

Die Abschaffung der DSL-Flatrate ruft sogar Widersprüche innerhalb der Deutschen Telekom hervor. Der Provider Congstar erklärt: “Wir drosseln nicht.”

Die Deutsche-Telekom-Tochter Congstar wird ihre DSL-Verträge nicht drosseln. Das gab der DSL-Provider über Twitter bekannt. “Bei uns ist eine Drosselung der DSL-Aufträge nicht geplant. Es handelt sich um echte Flatrates”, heißt es in dem Tweet. Zuerst hatte der Blogger Fefe über die Ankündigung von Congstar berichtet.

Congstar erweiterte im September 2012 sein Angebot an DSL-Festnetzverträgen. Seit dem 5. September 2012 gibt es mit “Komplett 2 VDSL” einen VDSL-Anschluss von Congstar. Dabei nutzt das Unternehmen das Netz des Mutterkonzerns. Der VDSL-Anschluss liefert eine maximale Datenübertragungsrate von 50 MBit/s im Download und bis zu 10 MBit/s im Upload.

Der Tarif “Komplett 2 VDSL” kostet monatlich 34,99 Euro. Im Preis ist eine Telefonflatrate in das deutsche Festnetz enthalten. Bei Buchung des Tarifs mit einer Laufzeit von zwei Jahren berechnet Congstar 39,99 Euro für die Bereitstellung. Zudem kann der Kunde einen Fritzbox-Router von AVM für 29,98 Euro dazubestellen.

Bei Tarifen mit Geschwindigkeiten bis zu 16 MBit/s liegt die Grenze bei der Telekom künftig bei 75 GByte im Monat, 50-MBit/s-Zugänge werden bei 200 GByte gedrosselt, bei 100 MBit/s liegt die Obergrenze bei 300 GByte und bei 200-MBit/s-Verträgen bei 400 GByte. Hartwig Tauber, Chef des FTTH Council Europe, sagte: “Wird das Transfervolumen erreicht, wird der Internetzugang praktisch abgeschaltet, denn mit 384 KBit/s ist es heute oftmals schon schwierig, herkömmliche Webseiten aufzurufen.”

Die Abschaffung der Flatrate sei nötig, weil drei Prozent der Kunden mehr als 30 Prozent des Datenvolumens verursachten. Die Alternative zum Ende der Flatrate wäre eine Preiserhöhung für alle Nutzer gewesen, erklärte die Telekom.

Quelle: golem

via Bundesregierung warnt vor Datenbremse bei Dt. Telekom.

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Apr 26 2013

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Bundesregierung warnt vor Datenbremse bei Dt. Telekom

Die Deutsche Telekom hat mit ihrem Plänen für Daten-Obergrenzen auch im Festnetz nicht nur einfache Internet-Nutzer aufgebracht. Auch die deutsche Bundesregierung warnt vor dem geplanten Modell. Die Deutsche Telekom hingegen verteidigt ihre Pläne weiterhin.

Die Pläne der Deutschen Telekom, Obergrenzen für das Datenvolumen im Festnetz einzuführen, treffen nach Kritik von Kunden und Netzpolitikern jetzt auch auf Gegenwind der Bundesregierung. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zeigte sich in einem Brief an Telekom-Chef René Obermann besorgt. Der Minister warnte vor möglichen Einschränkungen für Flatrate-Kunden, wie „Spiegel Online” unter Berufung auf das Schreiben berichtete. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte die Äußerungen. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sieht Nachteile für Kunden.

“Nicht verbraucherfreundlich”
Aigner sagte, in den neuen Tarifen sei kein Fortschritt für die Kunden zu erkennen. „Die Telekom muss aufpassen, dass sie nicht übers Ziel hinausschießt. Flatrates derart zu begrenzen, ist sicher nicht verbraucherfreundlich”, kritisierte sie.

Bundesregierung und Wettbewerbsbehörden würden „die weitere Entwicklung in Bezug auf eine eventuell unterschiedliche Behandlung eigener und fremder Dienste unter dem Aspekt der Netzneutralität sehr sorgfältig verfolgen”, zitierte „Spiegel Online” Rösler am Mittwoch.

Bundesnetzagentur prüft
Die Bundesnetzagentur prüfe das geplante Modell bereits mit Blick auf die Netzneutralität, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Als Netzneutralität wird der Zugang zu Netzressourcen ohne Diskriminierung bezeichnet. Rösler setzt sich für die Förderung von Internet-Diensten in Deutschland ein.

Die Deutsche Telekom plant, dass ihr eigener Videodienst Entertain nicht beim Verbrauch des Daten-Kontingents berücksichtigt wird. Bei Konkurrenten wie Apple oder Amazon wäre das nach aktuellem Stand anders. Die Deutsche Telekom sprach dabei von einer „fairen Lösung”.

Verwechslung mit “Gratis-Internetkultur”
Die Deutsche Telekom betonte, sie teile die Ziele der Bundesregierung zur Netzneutralität. „Die Telekom steht für das freie und offene Internet: Netzneutralität wird in der Debatte teilweise mit einer Gratis-Internetkultur verwechselt”, sagte ein Sprecher. Er verteidigte ausdrücklich die Pläne angesichts anstehender Milliarden-Investitionen in die Netz-Infrastruktur.

„Die Alternative wäre gewesen, die Preise pauschal für alle Kunden zu erhöhen.” Nach Vorstellung der Deutschen Telekom sollten stattdessen nur Kunden, die überdurchschnittlich viel Hochgeschwindigkeits-Internet nutzen, zur Kasse geben werden. „Eine faire Lösung, finden wir.”

Kritik auch von Videodienst-Betreibern
Am Mittwoch meldete sich der Videodienst Watchever als erster Telekom-Wettbewerber kritisch zu Wort. „Die Entwicklung des Internet ging immer von langsam zu schnell und von der Beschränkung hin zur kundenfreundlichen Flatrate. Komplizierte Volumentarife mit zahlreichen Einschränkungen im Kleingedruckten haben in der Vergangenheit nicht funktioniert”, sagte Geschäftsführerin Sabine Anger der dpa.

Watchever lasse dem Kunden freie Wahl und stelle das Angebot ohne jede Einschränkung bereit – „das ist der Weg für erfolgreiche Geschäftsmodelle im Internet”. Bei der im Januar gestarteten Tochter des französischen Vivendi-Konzerns gibt es für 8,99 Euro im Monat eine Streaming-Flatrate für Filme und Serien.

“Managed Services” als Ausnahme
Die Deutsche Telekom sieht das hauseigene Angebot Entertain als Ausnahme, weil es ein „Managed Service” sei, bei dem der Konzern die Qualität garantiere. Auch andere Videodienste könnten gegen extra Bezahlung von der Deutschen Telekom einen „Managed Service” bekommen und dann würden auch ihre Daten nicht mitgerechnet.

„Entertain ist ein unterschiedlicher Datenstrom auf der gleichen Leitung und deshalb ein Managed Service und kein regulärer Internetverkehr”, ergänzte der Telekom-Sprecher. Reguläre Internetdienste würden diskriminierungsfrei behandelt.

Die Deutsche Telekom hatte am Montag (22.04.2013) angekündigt, dass für Neukunden vom 2. Mai an Obergrenzen für den monatlichen Datenverkehr bei Festnetz-Flatrates gelten werden. So kann die Telekom bei Leitungen mit einer Geschwindigkeit bis 16 Megabit pro Sekunde die Geschwindigkeit drosseln, wenn das Datenvolumen 75 Gigabyte überschreitet. Die Tempo-Bremse solle nach derzeitigen Planungen aber erst 2016 greifen.

EU will Telekom-Datenbremse nicht prüfen

Die von der Deutschen Telekom geplante Beschränkung bei Internet-Flatrates ist nach den Worten von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes kein Fall für die Europäische Kommission. Vielmehr sollten nun die Kunden „mit den Füßen abstimmen”, sagte Kroes der „Bild”-Zeitung.

Sie reagierte damit auf die jüngste Ankündigung der Deutschen Telekom, die Geschwindigkeit von Internetpauschaltarifen zu drosseln, wenn eine bestimmte Datenmenge verbraucht wurde. Dies könnte etwa Kunden betreffen, die sich im Netz viele Filme herunterladen. Wer mehr Daten übertragen will als in seinem Tarif vorgesehen, soll sich Zusatzpakete kaufen können.

„Wenn ein Unternehmen höhere Preise für höhere Datenmengen durchsetzen will, ist das normal”, sagte Kroes. „Die EU wird deswegen nicht eingreifen – aber die Kunden können es tun!”

Die Pläne des Bonner Konzerns stoßen auf Kritik in der deutschen Bundesregierung. „Anscheinend steht die Telekom auf der Leitung – sonst würde sie erkennen, dass ihr neues Geschäftsmodell ein klassischer Rohrkrepierer zu werden droht”, sagte Verbraucherministerin Ilse Aigner dem Blatt.

„Sollte sich herausstellen, dass die Telekom ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzt, muss das Kartellamt einschreiten. Falls die neuen Tarife eine Gefahr für die Netzneutralität darstellen, muss die Bundesnetzagentur tätig werden”, forderte die CSU-Politikerin.

Netzneutralitäts-Debatte im Gang
Unterdessen geht die Debatte über Netzneutralität in Deutschland weiter. Während die Deutsche Telekom von einer “fairen Lösung” sprechen, kritisieren Internet-Aktivisten die Datenbremse weiterhin massiv. Alexander Lehmann hat einen Film auf YouTube gestellt, der die Problematik rund um einen Verlust der Netzneutralität erklärt.

Quelle: futurezone

via Bundesregierung warnt vor Datenbremse bei Dt. Telekom.

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Mrz 02 2012

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Mobilfunkbetreiber untergraben Netzneutralität

Abgelegt unter Handy-Ecke

Bevorzugung großer Plattformen durch Gratis-Zugang

Paris (pte015/02.03.2012/11:42) – Einige nationale Handy-Netzbetreibher, darunter France Telekom und Turkcell, haben damit begonnen, das Internet in verschiedene Bereiche aufzusplittern, wie das Wall Street Journal berichtet. Kunden erhalten unlimitierten Zugang zu manchen vielgenutzten Plattformen wie Facebook, alle anderen Internetseiten verursachen erhebliche Zusatzkosten. Das verletzt den Grundsatz der Netzneutralität, wonach für das ganze Internet gleiche Zugangsvoraussetzungen herrschen sollten. Die Mobilfunkbetreiber überlegen außerdem, die Anbieter von Diensten zur Kasse zu bitten, was große Plattformen weiter bevorteilen würde.

“Für die Nutzer von Diensten mit Monopolisierungstendenzen klingt ein selektives Gratis-Angebot toll. Für die Allgemeinheit ist es aber schlecht, wenn alle anderen Angebote benachteiligt werden. So werden durch Wettbewerbsverzerrung Quasi-Monopole zementiert. Weniger Konkurrenz führt längerfristig zu schlechteren Preisen für alle. Ich glaube trotz allem, dass die Netzneutralität haltbar ist”, sagt Netzpolitik-Chefredakteur Markus Beckedahl.

Keine Freiheit im Netz

Kunden des selektiven Datentarifs der France Telekom müssen für alle Internetseiten außer Twitter und Facebook tief in die Tasche greifen. 20 Minuten im benachteiligten Teil des Web kosten etwa 50 Cent. Ob Facebook und Co für die bevorzugte Behandlung bezahlen, ist unklar, da sich keiner der Beteiligten zu dem Thema äußern will. “Facebook könnte sich Deals mit Mobilfunkbetreibern leisten, was möglichen neuen Konkurrenten den Marktzutritt enorm erschweren würde”, so Beckedahl. Für Mobilfunkbetreiber, die sich in einem hochkompetitiven Umfeld behaupten müssen, wäre jede zusätzliche Einnahmequelle ein Segen.

Die Suche nach Möglichkeiten, die Einnahmen zu ergänzen, führt zur Einführung komplizierter Tarifmodelle. Echte Flatrates werden zunehmend seltener. Der amerikanische Mobilfunkanbieter AT&T, der ebenfalls an einem selektiven Zugangsmodell arbeitet, hat auf dem MWC 2012 in Barcelona mit dem Vorschlag aufhorchen lassen, die Haupt-Profiteure des mobilen Datenvolumens, also Google, Facebook und Co, an den Kosten für den Netzbetrieb zu beteiligen. “Die Provider versuchen in beide Richtungen abzukassieren, bei den Nutzern und den Anbietern, ähnlich wie beim Kabelfernsehen. Diese Maßnahme würde alle Firmen ohne großes Kapital im Rücken weiter benachteiligen”, erklärt Beckedahl.

Erboste Konkurrenz

In der Türkei bekommen lokale Facebook-Konkurrenzangebote die Benachteiligung bereits zu spüren. “Die Bedingungen sind nicht fair”, sagt Dilawar Syed, CEO eines lokalen türkischen sozialen Netzwerks. Durch die selektiven Verträge ist das Nutzen von Facebook für Turkcell-Nutzer im Grundpreis inkludiert, während der Besuch des kleinen Konkurrenten, der immerhin sechs Mio. Mitglieder hat, extrem teuer ist. Um den Preisunterschied zu minimieren, versucht Syed den Datenhunger seiner mobilen Anwendung zu reduzieren. Ganz ausgleichen kann er den Unterschied so aber auf keinen Fall.

Quelle: pressetext.com

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Okt 13 2011

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WWW-Erfinder Sir Tim Berners-Lee bei f.uture.talk 2011 der Telekom Austria

Plädoyer für ein offenes und freies Web

Wien (pts024/12.10.2011/16:40) – Mit Sir Tim Berners-Lee diskutierten Open Government-Expertin Anke Domscheit-Berg, Kriegsberichterstatterin Antonia Rados und Medienrechtsexperte Viktor Mayer-Schönberger.
- Angeregte Diskussion zur Rolle des Internets in Staat und Gesellschaft, Open Data und Revolutionen in Nordafrika.
- Hannes Ametsreiter begrüßte mehr als 700 Gäste in der Stallburg der Spanischen Hofreitschule.

Sir Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, begeisterte mehr als 700 prominente Gäste, die der Einladung von Hannes Ametsreiter, Generaldirektor der Telekom Austria Group, Dienstagabend in die Stallburg der Spanischen Hofreitschule gefolgt waren. Der Abend stand unter dem Motto “World Wild Web – Who rules the Internet Society?”. Mit dem WWW-Erfinder und dem Publikum diskutierten die Open Government-Expertin Anke Domscheit-Berg, die Kriegsberichterstatterin Antonia Rados und der Medienrechtsexperte Viktor Mayer-Schönberger.

“Um das volle Potenzial des Internets als gesellschaftsveränderte Kraft zu nutzen, braucht es neben dem technischen Zugang vor allem auch die entsprechende Medienkompetenz. Österreich ist bei Media Literacy weltweit auf dem 37. Platz. Damit können wir uns nicht zufriedengeben”, sagte Hannes Ametsreiter. “Wir müssen dafür sorgen, dass Ideen und Smartness zum Durchbruch verholfen wird.”

Ähnlich argumentierte der Keynote-Speaker des Abends, Tim Berners-Lee. Er “wollte damals einfach ein globales Hypertextsystem machen”, in seiner Freizeit und “mit Erlaubnis meiner Vorgesetzten am CERN”. So wurde er zum Erfinder des World Wide Web. Und so hofft er auch, dass andere Menschen eine Chance bekommen, “ihr Wissen, ihre Liebe und ihre Energie” einzubringen. Er plädierte für die Offenheit des Internets und meinte, dass sich das WWW nur so entwickeln konnte, weil es offen sei. Und er forderte auch, “stellt Daten als offene Daten ins Netz”.

World Wild Web: Revolution im und mit dem Netz
In der kontroversiellen Podiumsdiskussion drehte sich alles um Revolutionen: Um Revolutionen “von unten”, um Revolutions-Vorhersagesysteme und um Helden.

Antonia Rados etwa, eine der profiliertesten Journalistinnen im deutschsprachigen Raum, beschrieb die Rolle des Internets bei den jüngsten Aufständen in den arabischen Ländern zwiespältig. Das Internet gäbe den Menschen Macht und eine Stimme. Wenn man jedoch das Internet einer Kalaschnikow gegenüberstellt, “wird immer die Kalaschnikow gewinnen.” Am mächtigsten sei das Internet just in dem Moment geworden, als es in Ägypten abgeschaltet war: “Damit mussten die Leute hinaus auf die Straße.”

Der Medienrechtsexperte und Oxford-Professor Viktor Mayer-Schönberger plädierte, sein jüngstes Buch “Delete” zitierend: “Das Internet muss lernen, Unwichtiges zu vergessen.” Derzeit wird am Oxford Internet Institute, wo er lehrt, auch die Forschungsfrage diskutiert, ob es eine Vorhersehbarkeit von Revolutionen durch Beobachtung von Veränderungen in Einträgen auf Wikipedia gibt.

Revolutionen im Bereich Open Data forderte Open Government-Expertin Anke Domscheit-Berg. Sie wünscht sich, “dass das Internet dazu verwendet wird, die Verwaltung transparent zu machen – und nicht die Bürger”. Domscheit-Berg wies auch darauf hin, dass Bürger die Initiative für mehr Transparenz in Form von Bewegungen wie OpenLeaks ergreifen, wenn nicht Regierungen aktiv werden.

Historischer Rahmen für die Zukunft des Internets
Der f.uture.talk 2011 fand in der Stallburg der Spanischen Hofreitschule in Wien statt. Mehr als 700 Gäste folgten der Einladung von Hannes Ametsreiter zur Veranstaltung in dem bedeutenden Renaissancebau, wo auch die edlen Lipizzaner-Hengste interessiert die Keynote Speech von Sir Tim Berners-Lee und die anschließende kontroversielle Diskussion verfolgten.

Unter den Gästen des f.uture.talk 2011 waren unter anderem IBM Österreich-Generaldirektorin Tatjana Oppitz, bauMax-Vorstand Werner Neuwirth-Riedl, Karl Gollegger, Mitglied der Geschäftsführung bei Verbund, Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, der mazedonischer Minister für Informationsgesellschaft Ivan Ivanovski, Generaldirektorin der Spanischen Hofreitschule Elisabeth Gürtler, RTR-Geschäftsführer Georg Serentschy, Nokia Siemens Networks-Geschäftsführer Dietmar Appeltauer, Telekom Austria Group-Finanzvorstand Hans Tschuden, Apple Österreich-Chef Ronald Tremmel, Coca Cola-Chef Barry O’Connell, Ja! Natürlich-Geschäftsführerin Martina Hörmer, Werbeprofis Harry Bergmann, Mariusz Demner und Michael Nitsche, Medienmanager Rudi Klausnitzer, Oliver Voigt und Wolfgang Fellner sowie Niki Lauda.

Das grafische Hauptelement des Abends war ein rotes “A”. Passend zum Motto des f.uture.talk 2011 kombiniert es zwei zentrale Symbole unserer Welt zu einem: das Anarchie-Zeichen, das seit Jahrzehnten für Freiheit und Selbstbestimmung, aber auch für den Verlust von Kontrolle steht sowie das @-Zeichen, ohne das unsere (Online-)Kommunikation heute nicht mehr möglich ist. Die Kombination beider Symbole ergibt ein neues unverwechselbares Zeichen, das sowohl die Chancen als auch die Gefahren des Internets symbolisiert.

Quelle: pressetext.com

 

via [Interview] „Was nicht im Web ist, existiert nicht“.

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Okt 13 2011

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[Interview] „Was nicht im Web ist, existiert nicht“

Am Dienstag (12.10.2011) war Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, beim f.uture.talk der Telekom Austria in Wien zu Gast. Die futurezone traf Berners-Lee vor seinem Vortrag zum Gespräch und befragte ihn über die Errungenschaften des World Wide Web, die Netzneutralität, die Freigabe von Regierungsdaten und über die Privatsphäre im Netz.


Hannes Ametsreiter, Generaldirektor Telekom Austria Group und A1, begrüßte Sir Tim Berners-Lee, Erfinder des WWW, beim f.uture.talk 2011

futurezone: Das World Wide Web wurde vor kurzem 20 Jahre alt. Was sind für Sie rückblickend die bedeutensten Errungenschaften?
Tim Berners-Lee: Die bedeutensten Errungenschaften sehe ich dort, wo das Web der Menschheit weitergeholfen hat. Wenn es zur Kommunikation genutzt wurde und dazu beigetragen hat, Konflikte friedlich zu lösen. In der Geschichte des Web gibt es viele positive und natürlich auch negative Aspekte. Tiefpunkte gab es immer dann, wenn das Web bedroht war und Regierungen oder Unternehmen versucht haben, das Web zu kontrollieren.

Das Web wurde ein Erfolg, weil es offen und für alle zugänglich ist. Sind Sie über Entwicklungen besorgt, die diesem offenen Charakter entgegenwirken, wie etwa das App-Ökosystem, das seine Nutzer vom Rest des Netzes isoliert?
Wir müssen hier zwischen Web-Applikationen und in sich geschlossene Applikationen auf Smartphones unterscheiden. Web-Applikationen leben auf Websites und werden immer mächtiger. Sie können auf sie von vielen Geräten aus zugreifen und sie sind Teil des Webs, Teil des Diskurses und Teil des Lebens. Sie können über die Inhalte diskutieren und die Daten auch weiterverwenden. Wenn sie Informationen in eine Smartphone-App einsperren, können sie nicht darauf verweisen – sie sind in gewisser Weise tot.

Sie nehmen eine kompromisslose Haltung zur Netzneutralität ein. Warum ist die Gleichbehandlung aller Daten und Dienste wichtig?
Ich halte es für sehr wichtig, dass das Netz ein neutrales Medium bleibt und das ich auf jede Website zugreifen kann. Wenn Regierungen oder Unternehmen die Macht haben, Informationen zu filtern, bestimmen sie die Weltsicht vieler Nutzer. Das Web wird als Informationsquelle immer wichtiger und das Filtern hat dramatische Auswirkungen und verändet die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen.

Auch die Überwachung der Webnutzung, etwa für Werbezwecke, hat fatale Folgen. Wenn Sie es Regierungen oder Unternehmen erlauben, Technologien zu installieren, über die das Nutzungsverhalten verfolgt werden kann, ist das gefährlich. Leute nutzen das Web für sehr intime Dinge, etwa um sich über Krankheiten zu informieren. Sie bekommen nicht nur Werbeeinschaltungen für Medikamente zu sehen, sondern müssen möglicherweise auch höhere Versicherungsbeiträge bezahlen oder bekommen keinen Job mehr. Wenn das Nutzungsverhalten protokolliert wird, werden Leute angreifbar. Die Neutralität des Netzes muss von einer Gesellschaft hochgehalten werden. Sie ist die Basis für alles andere.

Die europäischen Gesetzgeber vertrauen bei diesem Thema auf Transparenz und den Markt. Ist das genug?
Es wäre gut, wenn wir ohne Regulierung auskommen würden. Dazu müssten die Netzneutralität aber so stark als ethisches Prinzip verankert sein, dass sich jedes Unternehmen daran hält. Regierungen sollten in jedem Fall bereit sein, einzuschreiten, wenn die Netzneutralität bedroht ist. In Form von Regulierungen oder in Form von Gesetzen.

Wie hat das Web unsere Vorstellung von Privatsphäre verändert?
Ich glaube, dass unsere Vorstellung von Privatsphäre gerade verhandelt wird. Wir befinden uns am Beginn dieses Prozesses. Viele Leute haben den Fehler gemacht, Informationen auf sozialen Netzwerken öffentlich zugänglich zu machen. Sie können nun von Leuten gesehen werden, für die sie gar nicht gedacht waren. Ich denke, es wird bald ausgeklügeltere Systeme geben. Wir brauchen aber auch Regeln, wie wir mit solchen Informationen umgehen. Gewisse Informationen sollten für gewisse Dinge nicht verwendet werden dürfen. Arbeitgeber könnten sich etwa verpflichten, keine Informationen aus sozialen Netzwerken zu verwenden, wenn sie Leute einstellen. Es sei denn die betroffenen Personen erteilen ihre Zustimmung. Wir brauchen einen neuen Ethos, mit dem Leute dafür verantwortlich gemacht werden können, wie sie Informationen verwenden, anstatt die Daten wegzusperren.

Wie wichtig ist Anonymität im Netz?
Das ist eine zentrale Frage. Wenn jemand kritisiert wird, hat er das Recht zu erfahren, wer hinter der Kritik steckt. Auf der anderen Seite brauchen wir ein Recht auf Anonymität. Beides sind wesentliche Grundlagen der Demokratie. Anonymität besonders unter repressiven Regimen wichtig oder für Whistleblower. Wir haben also einen Konflikt zwischen diesen beiden Rechten. Im World Wide Web Consortium (W3C) gewähren wir Leuten, die aus welchen Gründen auch immer ihre Identität nicht preisgeben wollen, das Recht auf Anonymität. Wir achten aber sehr darauf, dass es nicht missbraucht wird. Wir müssen auch in der Gesellschaft Mechanismen entwickeln, die beide Rechte ermöglichen.

In den vergangenen Monaten ist es in der arabischen Welt zu Aufständen gekommen, die zum Sturz von Diktatoren geführt haben. Dem Web wurde dabei eine zentrale Rolle zugeschrieben. Wie beurteilen Sie die Rolle des Webs bei diesen revolutionären Momenten?
Ich habe von beteiligten Personen gehört, dass die Revolution in Ägypten ohne das Netz nicht möglich gewesen wäre. Das Netz war sicherlich wichtig. Es wird aber wohl nicht mehr so bald passieren. Denn Regierungen lernen dazu. Es gibt einen weiteren wichtigen Aspekt. Als die ägyptische Regierung das Land vom Internet getrennt hat, wurde es vielen Leuten zum ersten Mal bewusst, dass so etwas möglich ist.

Sie waren in Großbritannien sehr stark an der Öffnung von Regierungsdaten beteiligt. Wie hat sich die Freigabe von Verwaltungsdaten ausgewirkt?
Die Gesellschaft profitiert auf vielfältige Art und Weise. Zum einen führt es zu mehr Transparenz, wenn sich Regierungen öffnen und ihre Daten ins Netz stellen und Entscheidungen werden nachvollziehbar. Sie sorgen dafür, dass das Land besser funktioniert. Die Freigabe von Verwaltungsdaten hat aber auch einen wirtschaftlichen Wert. Verwaltungsdaten sind auch für Utnernehmen sehr wichtig. Darüber helfen Verwaltungsdaten bei derBewältigung von Katastrophen. Es kann Leben retten, wenn sie wissen, welche Spitäler über welche Ausrüstungen verfügen. Man weiss nie, was als nächstes passiert. Werden die Daten der Bevölkerung zur Verfügung gestellt, kann man sich aber auf viele Eventualitäten vorbereiten.

Wie sehen Sie die Zukunft des World Wide Web?
Das Web wird überall sein, auf allen möglichen Geräten. Es wird sehr machtvolle Web-Applikationen geben, die Desktop-Programme und Smartphone-Applikationen ablösen werden. Alles wird über miteinander verbundene Web-Applikationen funktionieren.

Wie nutzen Sie das Web eigentlich?
Ich verwende es die ganze Zeit. Das World Wide Web Consortium, für das ich arbeite, lebt im Web. Wir haben eine Regel und die lautet: Was nicht im Web ist, existiert nicht.

Quelle: futurezone.at / Foto: Copyright: Telekom Austria Group / Fotograf: Rainer Gregor Eckharter

via [Interview] „Was nicht im Web ist, existiert nicht“.

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