ARD-alpha: Privatsender-Verband kritisiert bevorstehende Umwandlung

Die bevorstehende Umwandlung des öffentlich-rechtlichen Digitalsenders BR-alpha in einen bundesweiten Bildungskanal namens ARD-alpha findet bei der privaten Konkurrenz keine Freunde. Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) hat an die Medienpolitiker der Länder appelliert, die zum 28. Juni anstehende Umsetzung “genau zu prüfen und dabei auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zu bestehen”.

“Bei ARD-alpha will der BR nach eigenem Gutdünken aus seinem bayerischen Landesangebot ein bundesweites ARD-Angebot machen, obwohl es dafür zunächst eine Ermächtigung durch die Länder geben müsste”, meint der VPRT-Vorsitzende Tobias Schmid, der einen Vergleich zieht zum anvisierten UKW-Wellentausch von BR-KLASSIK auf den Jugendsender PULS. “Wenn das durchgeht, braucht man keine Rundfunkstaatsverträge mehr und jeder macht, wonach ihm gerade ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das im Interesse der Ordnungspolitik ist.”

Schmid verweist auf eine Vereinbarung zwischen den Ländern, derzufolge es ein Gesamtkonzept für die digitalen Spartenkanäle geben solle. Durch Alleingänge von ARD-Anstalten, wie im Falle ARD-alpha, würde der Gestaltungsanspruch der Länder in Rundfunkfragen ad absurdum geführt.

Stärker als bislang bei BR-alpha der Fall, soll ARD-alpha künftig für andere ARD-Sender geöffnet werden, auch wenn der Kanal weiterhin vom Bayerischen Rundfunk (BR) betrieben wird. Neben klassischem Bildungsfernsehen und Sprachkursen sind Sendungen aus den Themenbereichen Wissenschaft, Geschichte, Kunst, Kultur, Musik, Religion und Zeitgeschehen geplant. Dabei setzt der neue Sender auch auf zahlreiche Eigenproduktionen, darunter verschiedene Doku-Reihen und ein “Campus Magazin”.

Die Aufrüstung von BR-alpha kommt zu einem überraschenden Zeitpunkt, da die derzeitige Tendenz eher in Richtung Reduzierung von öffentlich-rechtlichen Digitalkanälen geht. Die weitere Entwicklung in diesem Bereich hängt vor allem von der Frage ab, ob sich die Länder mit ARD und ZDF noch auf einen gemeinsam betriebenen Jugendkanal einigen können. Die ARD hatte der Politik angeboten, zwecks Finanzierung des ARD-Anteils an einem solchen Gemeinschaftsprojekt die Sender EinsPlus und EinsFestival aufzugeben.

Quelle: Michael Brandes/wunschliste