Apr 26 2013

Profilbild von holgi-w

Bundesregierung warnt vor Datenbremse bei Dt. Telekom

Die Deutsche Telekom hat mit ihrem Plänen für Daten-Obergrenzen auch im Festnetz nicht nur einfache Internet-Nutzer aufgebracht. Auch die deutsche Bundesregierung warnt vor dem geplanten Modell. Die Deutsche Telekom hingegen verteidigt ihre Pläne weiterhin.

Die Pläne der Deutschen Telekom, Obergrenzen für das Datenvolumen im Festnetz einzuführen, treffen nach Kritik von Kunden und Netzpolitikern jetzt auch auf Gegenwind der Bundesregierung. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zeigte sich in einem Brief an Telekom-Chef René Obermann besorgt. Der Minister warnte vor möglichen Einschränkungen für Flatrate-Kunden, wie „Spiegel Online” unter Berufung auf das Schreiben berichtete. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte die Äußerungen. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sieht Nachteile für Kunden.

“Nicht verbraucherfreundlich”
Aigner sagte, in den neuen Tarifen sei kein Fortschritt für die Kunden zu erkennen. „Die Telekom muss aufpassen, dass sie nicht übers Ziel hinausschießt. Flatrates derart zu begrenzen, ist sicher nicht verbraucherfreundlich”, kritisierte sie.

Bundesregierung und Wettbewerbsbehörden würden „die weitere Entwicklung in Bezug auf eine eventuell unterschiedliche Behandlung eigener und fremder Dienste unter dem Aspekt der Netzneutralität sehr sorgfältig verfolgen”, zitierte „Spiegel Online” Rösler am Mittwoch.

Bundesnetzagentur prüft
Die Bundesnetzagentur prüfe das geplante Modell bereits mit Blick auf die Netzneutralität, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Als Netzneutralität wird der Zugang zu Netzressourcen ohne Diskriminierung bezeichnet. Rösler setzt sich für die Förderung von Internet-Diensten in Deutschland ein.

Die Deutsche Telekom plant, dass ihr eigener Videodienst Entertain nicht beim Verbrauch des Daten-Kontingents berücksichtigt wird. Bei Konkurrenten wie Apple oder Amazon wäre das nach aktuellem Stand anders. Die Deutsche Telekom sprach dabei von einer „fairen Lösung”.

Verwechslung mit “Gratis-Internetkultur”
Die Deutsche Telekom betonte, sie teile die Ziele der Bundesregierung zur Netzneutralität. „Die Telekom steht für das freie und offene Internet: Netzneutralität wird in der Debatte teilweise mit einer Gratis-Internetkultur verwechselt”, sagte ein Sprecher. Er verteidigte ausdrücklich die Pläne angesichts anstehender Milliarden-Investitionen in die Netz-Infrastruktur.

„Die Alternative wäre gewesen, die Preise pauschal für alle Kunden zu erhöhen.” Nach Vorstellung der Deutschen Telekom sollten stattdessen nur Kunden, die überdurchschnittlich viel Hochgeschwindigkeits-Internet nutzen, zur Kasse geben werden. „Eine faire Lösung, finden wir.”

Kritik auch von Videodienst-Betreibern
Am Mittwoch meldete sich der Videodienst Watchever als erster Telekom-Wettbewerber kritisch zu Wort. „Die Entwicklung des Internet ging immer von langsam zu schnell und von der Beschränkung hin zur kundenfreundlichen Flatrate. Komplizierte Volumentarife mit zahlreichen Einschränkungen im Kleingedruckten haben in der Vergangenheit nicht funktioniert”, sagte Geschäftsführerin Sabine Anger der dpa.

Watchever lasse dem Kunden freie Wahl und stelle das Angebot ohne jede Einschränkung bereit – „das ist der Weg für erfolgreiche Geschäftsmodelle im Internet”. Bei der im Januar gestarteten Tochter des französischen Vivendi-Konzerns gibt es für 8,99 Euro im Monat eine Streaming-Flatrate für Filme und Serien.

“Managed Services” als Ausnahme
Die Deutsche Telekom sieht das hauseigene Angebot Entertain als Ausnahme, weil es ein „Managed Service” sei, bei dem der Konzern die Qualität garantiere. Auch andere Videodienste könnten gegen extra Bezahlung von der Deutschen Telekom einen „Managed Service” bekommen und dann würden auch ihre Daten nicht mitgerechnet.

„Entertain ist ein unterschiedlicher Datenstrom auf der gleichen Leitung und deshalb ein Managed Service und kein regulärer Internetverkehr”, ergänzte der Telekom-Sprecher. Reguläre Internetdienste würden diskriminierungsfrei behandelt.

Die Deutsche Telekom hatte am Montag (22.04.2013) angekündigt, dass für Neukunden vom 2. Mai an Obergrenzen für den monatlichen Datenverkehr bei Festnetz-Flatrates gelten werden. So kann die Telekom bei Leitungen mit einer Geschwindigkeit bis 16 Megabit pro Sekunde die Geschwindigkeit drosseln, wenn das Datenvolumen 75 Gigabyte überschreitet. Die Tempo-Bremse solle nach derzeitigen Planungen aber erst 2016 greifen.

EU will Telekom-Datenbremse nicht prüfen

Die von der Deutschen Telekom geplante Beschränkung bei Internet-Flatrates ist nach den Worten von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes kein Fall für die Europäische Kommission. Vielmehr sollten nun die Kunden „mit den Füßen abstimmen”, sagte Kroes der „Bild”-Zeitung.

Sie reagierte damit auf die jüngste Ankündigung der Deutschen Telekom, die Geschwindigkeit von Internetpauschaltarifen zu drosseln, wenn eine bestimmte Datenmenge verbraucht wurde. Dies könnte etwa Kunden betreffen, die sich im Netz viele Filme herunterladen. Wer mehr Daten übertragen will als in seinem Tarif vorgesehen, soll sich Zusatzpakete kaufen können.

„Wenn ein Unternehmen höhere Preise für höhere Datenmengen durchsetzen will, ist das normal”, sagte Kroes. „Die EU wird deswegen nicht eingreifen – aber die Kunden können es tun!”

Die Pläne des Bonner Konzerns stoßen auf Kritik in der deutschen Bundesregierung. „Anscheinend steht die Telekom auf der Leitung – sonst würde sie erkennen, dass ihr neues Geschäftsmodell ein klassischer Rohrkrepierer zu werden droht”, sagte Verbraucherministerin Ilse Aigner dem Blatt.

„Sollte sich herausstellen, dass die Telekom ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzt, muss das Kartellamt einschreiten. Falls die neuen Tarife eine Gefahr für die Netzneutralität darstellen, muss die Bundesnetzagentur tätig werden”, forderte die CSU-Politikerin.

Netzneutralitäts-Debatte im Gang
Unterdessen geht die Debatte über Netzneutralität in Deutschland weiter. Während die Deutsche Telekom von einer “fairen Lösung” sprechen, kritisieren Internet-Aktivisten die Datenbremse weiterhin massiv. Alexander Lehmann hat einen Film auf YouTube gestellt, der die Problematik rund um einen Verlust der Netzneutralität erklärt.

Quelle: futurezone

via Bundesregierung warnt vor Datenbremse bei Dt. Telekom.

Use a Highlighter on this page

Keine Kommentare

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben

Du musst angemeldet sein, um kommentieren zu können.